Die Protagonisten
Jonas Vogel
"Im Grunde genommen bin ich ziemlich faul", sagte er auch später noch, als er längst einer der erfolgreichsten Fahnder bei der Kripo war. Jonas Vogel hatte keine Lust zur Bundeswehr zu gehen und so bewarb er sich bei der Polizei. Er landete bei der BePo (Bereitschaftspolizei), und sein Respekt vor der Obrigkeit hielt sich in Grenzen. Jonas Vogel hat nie behauptet, er sei aus Überzeugung zur Polizei gegangen. Es war zunächst nur eine gute Möglichkeit, rasch einen Job zu bekommen. Bei einer großen Demonstration geriet Vogel in ein politisches Komplott, bei dem er beinah sein Leben verloren hätte. Seitdem hielt er sich, soweit es ging, von der Politik fern.
Bei der Polizei schaffte er den Aufstieg in den Gehobenen Dienst und arbeitete drei Jahre als Programmierer beim LKA. Danach wurde er Mitarbeiter in der Abteilung Verbrechensbekämpfung und wechselte als Hauptkommissar ins Morddezernat, das er fünf Jahre lang bis zu seinem tragischen Unfall leitete.
Obwohl ihm die übliche Polizeiarbeit kaum Zeit dazu lässt, hat Vogel dennoch versucht, sich bei seinen Ermittlungen nicht nur mit dem Täter, sondern auch mit dem Opfer zu beschäftigen. Das mag selbstverständlich klingen, ist es jedoch keineswegs. Die Aufklärung eines Verbrechens dreht sich zu neunzig Prozent um den Täter und seine Geschichte, für die Leiden der Opfer und Angehörigen sind die Kommissare schlicht nicht zuständig.
Das vorzeitige Ausscheiden aus dem Beruf war für ihn ein mindestens ebenso großes Problem wie seine Erblindung. Nun war er selbst ein Opfer. Doch es wäre ihm wie Verrat an seinem Lebenswerk erschienen, hätte er sich in dieser Situation selbst aufgegeben.
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Max Vogel
Schon früh entwickelte Max eine Neugier für die Arbeit seines Vaters. Er war sehr stolz auf ihn und wollte bereits mit elf Jahren nichts anderes werden als Kommissar in der Mordkommission. Er las sämtliche Krimis, die er in die Finger bekam. Seine Mutter, die mit dem Beruf ihres Mannes nie wirklich zurechtkam, versuchte vergeblich Max davon abzubringen, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Im Polizeipräsidium war der kleine Max so bekannt wie ein bunter Hund, da er mehrmals in der Woche seinen Vater besuchte und immer ganz genau wissen wollte, wie alles funktioniert und wie viele Geständnisse sein Vater wieder herbeigeführt hat.
Nach der Ausbildung auf der Polizeischule leistete er ein freiwilliges Jahr in einem Heim für schwererziehbare Jugendliche, die ihm nach anfänglichen Schwierigkeiten großes Vertrauen entgegenbrachten. Er lernte eine Menge über die oft so banalen Ursachen von Kriminalität und darüber, wie schwer es ist, diese Ursachen zu bekämpfen, geschweige denn sie zu beseitigen.
Zwei Jahre arbeitete Max im Rauschgiftdezernat, Schwerpunkt: Drogenkriminalität an Schulen - und wechselte dann ins Kommissariat 114 "Unbekannte Tote und Entführungen".
Mit 28 Jahren wird Max Vogel zum Oberkommissar befördert. Er reicht die Bitte ein, in die Mordkommission versetzt zu werden, doch laut Dienstvorschrift ist es Familienmitgliedern untersagt, im selben Kommissariat zu arbeiten. Private Konflikte sollen so weit wie möglich aus dienstlichen Belangen herausgehalten werden. In eine andere Stadt umzuziehen, kommt für Max nicht in Frage. Zum einen lebt er in einem Haus, an dem er sehr hängt, weil er es gemeinsam mit seinem Vater aufgebaut hat, zum anderen wäre er lieber ein anerkannter Kommissar in einer Abteilung, die ihm vollkommen vertraut ist als irgendwo in Deutschland ein x-beliebiger Untergebener in einer fremden Mordkommission.
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Esther Vogel
Ihr größter Kindheitstraum war, Prima Ballerina zu werden, doch ihre Eltern hatten nicht genügend Geld, um ihr die Ausbildung zu bezahlen. Außerdem schaffte es die kleine Esther einfach nicht, Diät zu halten. Nach der zehnten Klasse begann sie eine Ausbildung als Krankenschwester. Sie arbeitete gerade in der Abteilung für Knochenbrüche, als ein gewisser Jonas Vogel, der sich bei einer Schlägerei mit einem Ganoven den Arm gebrochen hatte, ihren Weg kreuzte. Dabei blieb es nicht.
Mit zwanzig wird sie das erste Mal schwanger. Dass ihr Mann Polizist ist und Tag und Nacht mit Verbrechern Umgang hat, gefällt ihr nicht und sie beginnt sich zu ängstigen, wenn er längere Zeit unterwegs ist. Nachdem er bei einer Demonstration niedergeschossen worden ist, lässt sie sich um ein Haar von ihm scheiden. Doch Jonas braucht ihre Hilfe, und sie kann ihn nicht im Stich lassen. Sie gibt ihren Beruf auf und widmet sich ganz der Familie. Zwei Jahre nach Max kommt Katrin auf die Welt.
Als ihr Sohn zum ersten Mal davon spricht, Polizist zu werden, traut sie ihren Ohren nicht. Später findet sie sich mit seinem Berufsziel ab und solidarisiert sich heimlich mit ihrer Tochter, die manchmal eine diebische Freude daran hat, die Polizei und andere Staatsorgane durch den Kakao zu ziehen.
Mit den Jahren empfindet Esther Vogel einen Mangel in ihrem Leben. Sie fühlt sich überflüssig und missachtet. Obwohl sie mit ihrer Familie unter einem Dach lebt, hat sie zunehmend den Eindruck, vollkommen allein zu sein.
Der Unfall ihres Mannes stürzt sie in eine tiefe Depression, aus der sie mit Hilfe eines Therapeuten nur langsam wieder herausfindet. Sie beginnt sich für neue Dinge zu interessieren (Selbstverteidigung, Philosophie) und startet mit knapp 50 noch einmal kräftig durch.
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Katrin Vogel
Ihr Selbstbewusstsein und ihre Offenheit gegenüber anderen Menschen verblüffen ihre Mutter immer wieder. Schon als Kind gab Katrin Vorstellungen als Sängerin und Mundharmonikaspielerin. Sie besucht das Gymnasium, bricht aber nach der Mittleren Reife ab und macht eine Lehre als Schreinerin.
Sie arbeitet in einer Werkstatt-Gemeinschaft mit einer Gruppe junger Schreiner, die sich selbständig gemacht haben, um umweltfreundliche Produkte herzustellen. Nebenher schreibt Katrin Songs. Ihre Popularität wächst, nicht nur, weil sie auf der Bühne immer professioneller wird, sondern auch, weil ihr Programm oft auf heftigen Widerstand stößt: bei Kirchen, Politikern, Tierschützern.
Sie findet es spaßig, wenn Max ihre Polemiken und Satiren persönlich nimmt, und lädt ihn immer wieder in ihre Vorstellungen ein. Als er einmal einen Abend miterlebt, muss er zugeben, dass seine Schwester eine enorm begabte Künstlerin ist. Manchmal kann Katrin nicht glauben, dass Max ihr Bruder ist: Er ist so anders als sie, ruhiger, ernster, ehrgeiziger, und er hat diesen Beruf...
Mit ihrem Vater hat sie nie viel gesprochen. Sie erinnert sich an seine schöne Stimme, wenn er ihr als Kind vorgelesen hat. Nach seiner Erblindung kümmert Katrin sich eine Zeitlang intensiv um ihre Mutter, bis sie ihr nicht mehr helfen kann und einen Therapeuten einschaltet. Katrin bewundert ihren Vater, wie er trotz seiner schweren Behinderung weiterhin den Kommissar spielt. Und der Abend, an dem er zum ersten Mal in ein Konzert von ihr besuchte und ihr wie einer Schauspielerin Blumen zuwarf, bringt sie noch heute zum Weinen.
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Ludger Endres
Im Gegensatz zu vielen anderen jungen Polizisten war Hauptkommissar Ludger Endres in allen vier Kommissariaten des Dezernats tätig und zeichnete sich durch hervorragende Leistungen und engagiertes Teamwork aus. Es kam für niemanden - außer für Max Vogel - überraschend, dass Endres Jonas Vogels Nachfolger in der Mordkommission wurde. Seine Fähigkeit, in schwierigen Situationen zuerst an die Mannschaft zu denken, verschafft ihm auch bei älteren Kollegen Respekt und Anerkennung. Nur Max Vogel braucht lange, um sich an ihn zu gewöhnen.
Paul Geiger
gehört zu den Menschen, bei denen man sich fragt, ob und wann sie jemals jung gewesen sind. Seit fünf Jahren ist er Witwer. Über den Tod seiner Frau hat er mit niemandem gesprochen außer mit Jonas Vogel. Nachdem dieser aus dem Dienst ausgeschieden ist, hält ihn Geiger über die neuesten Fälle heimlich auf dem Laufenden. Geiger gilt als absoluter Schusswaffenexperte. Zuhause bewahrt er eine 45er Automatic auf, die er manchmal nachts in die Hand nimmt und lange betrachtet, bevor er sie zurück in den Schrank legt.
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Yvonne Papst
Als Yvonne sich auf der Polizeischule bewarb, hatte sie keine Probleme aufgenommen zu werden. In jenen Jahren stiegen die Einstellungsquoten von Frauen bei der Polizei um fünfzig Prozent. Yvonnes Spezialgebiete waren Strafrecht sowie Psychologie und Sozialkunde. Als sie als Hauptwachtmeisterin die Ausbildung beendete, wurde ihr eine Stelle bei der berittenen Polizei angeboten. Sie nahm an, denn mit Pferden hatte sie schon als Zehnjährige Freundschaft geschlossen. Nach zwei Jahren kam sie vor Langeweile fast um und sie bewarb sich bei der Kripo. Im Kommissariat 114 arbeiteten bis dahin nur Männer, doch mit der Unterstützung von Max Vogel war sie bald aus der Abteilung "Unbekannte Tote und Entführungen" nicht mehr wegzudenken. Nebenher verbesserte sie ihre Englisch- und Französischkenntnisse und entwickelte den vagen Plan, eines Tages bei Europol einzusteigen. Als Max in die Mordkommission wechselte und sie fragte, ob sie an einem neuen Job interessiert sei, sagte sie Ja.
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Ani, Friedrich
Wer lebt, stirbt
ISBN 978-3-423-20988-5
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»Mein Name ist Jonas Vogel. Ich jage Mörder, und ich bin blind.«
Mit seinem Orientierungssinn führt er Einsätze auf unbekanntem Terrain zu überraschenden Erfolgen. Sein räumliches ...
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Ani, Friedrich
Wer tötet, handelt
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»Hilfe! … Er bringt sie um …!«
Der blinde Jonas Vogel ist gerade auf dem Nachtspaziergang mit seinem Hund, als ihn die Hilferufe eines am Straßenrand liegenden Verletzten hochschrecken ...
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Ani, Friedrich
Die Tat
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Eine einfache gelbe Kordel aus Strohseide, bis auf die Farbe identisch mit den Kordeln aus den anderen Mordfällen: Ist die 38-jährige Sonja Piers das dritte Opfer eines Serienmörders, ...
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